Veranstaltungshinweis: *Eine gerechte Gesellschaft gestalten: Queer und Kapitalismuskritik*

*Das perfekte Geschlecht – auf dem Weg in eine gerechte Gesellschaft*
*Vortrag von Dr. Heinz-Jürgen Voß*
Fr., 28.10.2011 um 19.00Uhr. Raum: ES 24 (Johannisstraße 12-20)

*Eine gerechte Gesellschaft gestalten: Queer und Kapitalismuskritik*

Unterschiede zwischen Menschen — so geschlechtliche — sind nicht vorgegeben, sondern resultieren aus Ungleichbehandlungen. Anstatt noch immer über die Berechtigung der 1949 gewagten These von Beauvoir „Kein biologisches […] Schicksal bestimmt die Gestalt, die das weibliche Menschenwesen […] annimmt“ zu diskutieren, gilt es, radikal weiterzudenken.

Beauvoir zeigte klar, dass in der Gesellschaft Ungleichbehandlungen, Diskriminierungen und Gewalt entlang der Kategorie Geschlecht stattfinden und dass Frauen häufiger benachteiligt sind als Männer und auch öfter direkte physische Gewalt erfahren. Befreiung bedeutet,
konkret etwas gegen die Gewalt, die Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen zu tun. Dass bedeutet aber nicht, dass man Frauen und Männer zu „Ewigkeiten“, als „natürlich“ erklären müsste — auch das betonte Beauvoir. Denn gerade mit Verweisen auf Natürlichkeit“ werden nach wie vor von Konservativen Ungleichbehandlungen von Menschen begründet und zementiert — Karl Marx war sich indes der
Gesellschaftlichkeit des Menschen in allen (!) seinen Merkmalen sehr bewusst.

Also: So wie aus den Analysen von Marx zu Produktionsweisen Folgerungen für eine bessere Gesellschaft mit einem guten Leben für alle Menschen gezogen werden (sollten), so sollten auch die Kategorie „Geschlecht“ einer genauen Analyse unterzogen und Ableitungen für Veränderung erarbeitet werden, die ein gutes Leben für alle Menschen ermöglichen. Die gesellschaftliche Entwicklung des einen wie des anderen bedeutet einen langen Weg, deshalb sollte man sich aber nicht bei dem einen mehr als bei dem anderen hinter derzeitige Denkschranken zurückziehen und sich vermeintlicher Alternativlosigkeit ergeben. Kapitalismuskritik braucht queere Perspektiven, genau wie zu Queer unbedingt Kapitalismuskritik gehört.

*Dr. Heinz-Jürgen Voß *forscht und lehrt an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin.
Schwerpunktebereiche sind: Geschlecht, Biologie, Queer. Buch zum Thema:
„Geschlecht“ (Reihe theorie.org); vorbereitender Text zum Input:
http://schwule-seite.de/Ansaetze_fuer_eine_queere_Kapitalismuskritik.pdf